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Unter dem Weihnachtsbaum, die Lehren des Jahres 2022

Aktualisiert: 5. Jan.

Das ganze Jahr 2022 hindurch war B Lab Schweiz im Rahmen seiner Bewertungs-, Engagement- und Dialogarbeit sowie dank der Gründung der Allianz Swiss Boards for Agenda 2030 (SBA2030) in Kontakt mit Schweizer Unternehmen, die sich um ihre und unsere gemeinsame Zukunft sorgen.


Aus dieser engen Zusammenarbeit mit den Schweizer Wirtschaftsführer:innen haben wir einige Erkenntnisse gewonnen, wie die heutigen Herausforderungen die Praktiken und Geschäftsmodelle in unserem Land beeinflussen und verändern - eher zum Besseren als zum Schlechteren.



Der Horizont: 2030


Im Mai 2022 gründete B Lab Schweiz SBA2030, eine Allianz von Schweizer Unternehmensleiter:innen, die sich für die Förderung und Beschleunigung der Umsetzung der Agenda 2030 (dem Aktionsplan der Vereinten Nationen für eine Zukunft im Einklang mit der Erde und ihren Menschen) einsetzen wollen. Die SBA2030-Initiative wurde von Jonathan Normand, Gründer und CEO der Stiftung B Lab Schweiz, zusammen mit André Hoffmann (Vizepräsident von Roche und Mitbegründer von InTent) mitinitiiert und umfasst 50 Unternehmen, 30 Branchen und 80 CEOs und Verwaltungsrät:innen aus der Schweiz.


Noch eine Gruppe von Unternehmen, die der Welt ihre frommen Wünsche für eine strahlende Zukunft propagiert?


Keinesfalls! Das Prinzip von SBA2030 ist es, Unternehmen, die es besser machen wollen, konkrete Hilfe anzubieten, wie unsere B Corp-Community. Seit dem Start der Koalition konnten wir die Mitgliedsunternehmen auf ihrem Weg zu Praktiken unterstützen, die besser mit ihren Werten und ihrem ESG-Engagement übereinstimmen. Praktisch bedeutet dies Schulungen fürs CEOs und Verwaltungsrät:innen, die wir gemeinsam mit IMD entwickelt haben, Unterstützung bei der Änderung ihrer Governance-Verfahren (einschliesslich der Statutenänderung, um Stakeholder und den Planeten in den Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen) und die Umsetzung von ESG-Aktionsplänen rund um die 17 Ziele der nachhaltigen Entwicklung mit ehrgeizigen, aber realistischen Verpflichtungen.

​ESG, was ist das?

ESG ist ein Akronym, das Umwelt, soziale Verantwortung und Governance zusammenfasst. Es wurde 2005 von den Vereinten Nationen vorgeschlagen, um die Diskussionen über die Verantwortung von Unternehmen bei der Verwaltung und bei Investitionen zu vereinheitlichen. Es handelt sich um eine Reihe von Kriterien zur Bewertung der Governance-Mechanismen von Unternehmen und ihrer Fähigkeit, ihre ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen zu bewältigen. Die Idee dahinter ist, die Leistung von Unternehmen nicht nur in rein wirtschaftlicher Hinsicht zu fördern und zu messen, sondern auch in Bezug auf Verantwortung, Transparenz und Nachhaltigkeit.

Die Stiftung B Lab Schweiz katalysiert eine Bewegung in der Schweiz mit mehr als 600 Unternehmen, die sich verpflichtet haben, ihre sozialen und ökologischen Auswirkungen zu messen und entsprechende Massnahmen zu ergreifen. Sie tut dies mittels ihrer verschiedenen Aktivitäten, wie beispielsweise der B Corp-Zertifizierung, des Swiss Triple Impact Programms, der Swiss Board Alliance for Agenda 2030 und des B Leaders Trainings. Gemeinsam mit seinen Partner:innen veröffentlicht das B Lab Schweiz Leitfäden zu bewährten Verfahren und zuletzt das Sustainable Leadership Barometer, mit dem die Fähigkeiten von Führungskräften bewertet werden können, die den Wandel hin zu einer fairen, inklusiven und regenerativen Marktinfrastruktur vorantreiben.

Die Entwicklung und Aktivierung eines Netzwerks, wie SBA2030, gibt einen Einblick, vor welchen Herausforderungen Schweizer Unternehmen stehen, die sich für ihre Partner und die Umwelt engagieren. Indem wir den beteiligten Organisationen unsere Hilfe und unser Fachwissen zur Verfügung stellen, können wir miterleben, wie sie ihre Strukturen, ihre Kultur und ihr Engagement überdenken, um die Geschäftswelt zu verändern und an der Schaffung neuer Standards für eine respektvolle, stabile und erfolgreiche Wirtschaft des 21. Jahrhunderts mitzuwirken.


Der Governance wieder mehr Bedeutung verleihen


In den letzten Jahren hat der Begriff ESG bei der Einschätzung der Leistung eines Unternehmens zunehmend an Bedeutung gewonnen. Institutionelle Anleger:innen, Verwaltungsrät:innen und Aktienmärkte interessieren sich sehr für den Zusammenhang zwischen der Unternehmensleistung und der Art und Weise, wie Unternehmen mit ESG-Risikofaktoren umgehen.


Allerdings liegt der Schwerpunkt dabei häufig auf den sozialen und ökologischen Aspekten der ESG-Kriterien, was manchmal auf Kosten einer ganzheitlichen Vision geht, die die komplexen Auswirkungen der Geschäftswelt auf ihre Umwelt beleuchten würde.

Es ist zwar gut, sich mit Fragen der Diversität in den Verwaltungsräten zu befassen und sich um eine gute Infrastruktur zu kümmern, aber wir müssen auch einen Schritt weiter gehen. Wir müssen die Gelegenheit ergreifen, eine echte ethische und integre Kultur aufzubauen, einen respektvollen und bewussten globalen Ansatz, der es uns ermöglicht, einen grösseren Einfluss auf die kritischen gesellschaftlichen Herausforderungen, die vor uns liegen, zu nehmen. Dieser Ansatz muss die Interdependenz zwischen den verschiedenen Aspekten der Unternehmensführung berücksichtigen: Recht, ESG, Nachhaltigkeit, Mensch, Kultur - und natürlich auch Inklusion, Diversität und Gleichberechtigung.


In diesem Zusammenhang gewinnt die Corporate Governance zunehmend an Bedeutung. Es ist von entscheidender Bedeutung, sich mit dem "G" von ESG zu beschäftigen, wenn man eine kohärente Integritätsagenda aufstellen und umsetzen will, die die Werte eines Unternehmens verkörpert und sowohl seine regulatorischen Verpflichtungen als auch seine freiwilligen Zusagen berücksichtigt. Ohne eine stabile und solide Unternehmensführung ist es nicht möglich, eine kohärente Strategie umzusetzen und seine ökologischen und sozialen Verpflichtungen zu erfüllen.


Doch wie verkörpert man eine effektive und ethische Governance?


Es reicht heute nicht mehr aus, sich isoliert vor rechtlichen Risiken und Reputationsrisiken zu schützen. Die Denkweisen haben sich verändert, und von Unternehmen wird erwartet, dass sie eine umfassende, kohärente und einheitliche Vision eines ethischen und verantwortungsvollen Handelns bieten. Diese Vision wird auf der Ebene der Governance geformt und konkretisiert.


Um einen Tunnelblick zu vermeiden, der einen ganzen Horizont ignoriert, ist es notwendig, das traditionelle Abteilungsdenken zu überwinden. Es muss eine Annäherung stattfinden und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen kritischen Funktionen gefördert werden, einschliesslich ESG und Nachhaltigkeit, Public Affairs, Risikomanagement, Ethik und Compliance.


Ein solch umfassender, strategisch ausgerichteter und koordinierter Ansatz ist auch für die Reaktion auf den Verdacht des Greenwashings und des Greenwishings von entscheidender Bedeutung, da er es ermöglicht, klare und messbare Verpflichtungen einzugehen und transparent zu kommunizieren.


(Wieder) Partner werden


Eine weitere wichtige Herausforderung ist der Übergang von einer Wirtschaft, die sich auf die Aktionär:innen fokussiert, zu einer Wirtschaft, die alle Stakeholder berücksichtigt: von den lokalen Communities über die Zuliefer:innen bis hin zu den Mitarbeitenden und dem Planeten selbst. Es geht nicht mehr nur darum, Gewinne für anonyme Aktionär:innen zu erwirtschaften, sondern auch um die Rechenschaftspflicht gegenüber all jenen, die von der Tätigkeit des Unternehmens betroffen sind.


Dieser Wandel ist noch am Anfang. Die Berücksichtigung der verschiedenen Partner:innen in der Verwaltung eines Unternehmens bleibt ein wichtiger, aber schwieriger Balanceakt. In diesem Rahmen sind das B Corp Movement und ähnliche Initiativen entscheidend, um die Geschäftswelt bei ihrem Wandel zu begleiten. Ein positives Zeichen? Eine wachsende Zahl von Unternehmen interessiert sich für unsere Expertise und möchte auf authentische und effektive Weise ihren Teil dazu beitragen.


Gegenüber der Öffentlichkeit: Authentizität


Durch die SBA2030 haben wir auch den ständigen öffentlichen Druck und die öffentliche Beobachtung gesehen, denen Unternehmen nun ausgesetzt sind. Der zunehmende politische Aktivismus, sowohl in der Öffentlichkeit als auch unter den Mitarbeitenden selbst, hat den Druck auf Unternehmen (unabhängig von ihrer Kultur und ihrem Horizont) erhöht, umweltfreundliche Praktiken einzuführen und auch zu leben.


Die öffentliche Meinung toleriert nicht länger Korruption und Profit um jeden Preis. Sie fordert soziale und ökologische Gerechtigkeit, Fairness und Gleichheit. Normen und Werte haben sich mit den Generationen verändert, und junge Mitarbeitende haben zum Teil radikal andere Erwartungen als ihre Vorgänger-Generationen.


Der Anstieg der ESG-Kriterien wird zudem von einer berechtigten Sorge der breiten Öffentlichkeit begleitet, die sich vor Greenwashing ebenso fürchtet wie vor frommen Wünschen, denen keine konkreten und wirksamen Massnahmen folgen.


Wie kann man auf diese legitimen Fragen der Bevölkerung reagieren?


Um der Heuchelei entgegenzuwirken und zu überzeugen, gibt es nur ein Mittel: den Worten Taten folgen lassen. In den Beziehungen zu seinen verschiedenen Partner:innen muss ein Unternehmen authentisch sein. Rhetorik allein reicht nicht mehr aus: Ein Unternehmen wird auf der Grundlage konkreter und messbarer Massnahmen beurteilt.


Die Öffentlichkeit verlangt von den Unternehmen, dass sie mehr tun als nur vorbildliche Praktiken, dass sie selbst zu Träger:innen des Wandels und zu Vorreiter:innen bei der Einführung von Strategien werden, die langfristig allen zugutekommen. Dieser Druck auf die Unternehmen hat die Art und Weise, wie Führungskräfte Entscheidungen treffen, grundlegend verändert und Akteur:innen, die keine Stimme mehr hatten, mehr Gewicht und eine Stimme verliehen.


Die Rolle der Unternehmen


Hinter dem Empowerment von Unternehmen steckt ein tieferer Sinn: Es zeigt die zentrale Führungsrolle, die sie bei der gesellschaftlichen Transformation spielen können. Die B Corp-Bewegung zeigt, dass die Geschäftswelt den Wandel unserer Welt durchaus lenken kann. Anstatt sich nur auf Wachstum und Gewinn zu konzentrieren, können Geschäftsakteur:innen zu Pionier:innen werden und neue systemische Ansätze erfinden und unterstützen, die zukunftsorientiert sind und einen tiefen Respekt für die Stakeholder haben.


Indem sie freiwillig anspruchsvolle Standards übernehmen und zunehmend neue Entwicklungen vorwegnehmen, antizipieren Unternehmen die Risiken und indem sie sich an wegweisenden Initiativen beteiligen, erwirtschaften sie einen Gewinn, der über den finanziellen Aspekt hinausgeht. Sie profitieren von einem guten Ruf und einer allgemeinen Verbesserung der Beziehungen zu ihren Partner:innen sowie der Loyalität ihrer Mitarbeitenden. Es handelt sich um eine Investition in Qualität und Langlebigkeit und in einie Zukunft, die allen Beteiligten Vorteile bringt.


Unternehmen in ihrer Vorreiterrolle unterstützen


Welche Bilanz ziehen wir für 2022? Das sind die wichtigsten Erkenntnisse, die wir aus unserer täglichen Arbeit mit Unternehmen gewinnen konnten:


In den meisten Unternehmen war die sichtbarste Auswirkung dieser mehrdimensionalen Herausforderungen, die Entstehung einer Governance, die alle Interessengruppen berücksichtigt, sowie die Ausweitung der treuhänderischen Pflichten. Die Pflichtenhefte der Verwaltungsrät:innen wurden angepasst, um sicherzustellen, dass die Entscheidungsfindung glaubwürdig und robust bleibt und der Weg des Wandels eingeschlagen wird.


Zu den unverzichtbaren Governance-Instrumenten, die für die Bewältigung moderner Herausforderungen erforderlich sind, gehören Anpassungsfähigkeit, Transparenz und Authentizität. Regeln und Strategien müssen mit der Zeit gehen – agil und innovativ bleiben, um die neuen gesellschaftlichen Bedürfnisse erfassen zu können. Zudem ist es entscheidend, es nicht bei Worten zu belassen, sondern die Leitsätze konkret in der Praxis umzusetzen.


Um einen strategischen Ansatz für Nachhaltigkeit zu schaffen, der in eine sinnvolle Gesamtheit eingebettet ist, und um ihn Wirklichkeit werden zu lassen, helfen wir Unternehmen dabei,

  • eine langfristige Organisationsstrategie und -planung festzulegen und zu vertreten.

  • ihre Governance, Einflüsse und Leistungen mit ihrer ESG-Strategie in Einklang zu bringen.

  • die Interessen, Ansichten und Entwicklungen der verschiedenen Stakeholder explizit zu berücksichtigen.

  • sich bei externen Partner:innen zu engagieren und mit ihnen zusammenzuarbeiten, um einen kollektiven positiven Impact zu bewirken und gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen anzugehen.

  • explizit die Bedürfnisse von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) innerhalb der Lieferketten und in den Gemeinden, in denen das Unternehmen tätig ist, einzubeziehen.

  • ihre Führungskräfte und Verwaltungsratsmitglieder in Bezug auf die Herausforderungen von ESG-Themen zu schulen.

  • eine klare und umfassende Richtung für ihre ESG-Bemühungen und -Verpflichtungen einzuschlagen, einschliesslich des Einsatzes einer leitenden Führungskraft oder eines Ad-hoc-Ausschusses, der alle Massnahmen überwacht.

All diese Elemente ermöglichen eine Priorisierung der internen und externen organisatorischen strategischen Prioritäten und eine Harmonisierung der auf allen Ebenen eingesetzten Ansätze und Kompetenzen: Risiko, Compliance, Governance, Nachhaltigkeit, Investor Relations, Personalwesen, Regierungs- und Geschäftsangelegenheiten.


Nach den Weihnachtsgeschenken das neue Jahr


Einer der anregendsten Aspekte dieses Jahres der Zusammenarbeit mit Schweizer Unternehmen - abgesehen von ihrem Wunsch, an der Bewegung einer respektvollen und verantwortungsbewussten Wirtschaft teilzunehmen - ist die Erkenntnis, wie viele und wie wirksame Massnahmen sie ergreifen können, um ihre ESG-Ziele zu erreichen. SBA2030 beweist, dass die Wirtschaft Teil der Lösung sein muss und kann.


Durch solche kollektiven Massnahmen können wir Innovationen fördern, sie erfolgreich in die Praxis umsetzen und an den Trends teilhaben, die die Zukunft des Handels gestalten.


Am 17. Januar treffen sich in Davos die Grossen der Welt, um die Agenda 2030 voranzutreiben und umzusetzen. Und welche Agenda wäre besser geeignet als die, ihren Platz als Vorreiter:in einer verantwortungsvollen Wirtschaft einzunehmen und ihre Rolle als Beschützer:in der Menschheit und des Planeten zu spielen?


Diejenigen, die sich der Dynamik anschliessen möchten, sind am 17. Januar um 09h00 Uhr zur “House of Switzerland” eingeladen. Dort werden wir eine @amplification by Boards for impactful collective actions Session organisieren, dies in Anwesenheit von 80 Industrieleiter:innen und mit einer Einführung von Bundesrat Ignazio Cassis, um die Diskussionen und den Austausch zu eröffnen.


Weitere Infos erhalten Sie unter: https://www.sba2030.ch/davos2023

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